Als Guide und Produktentwickler teste ich stets Neues und versuche innovative Wege zu gehen, die mich beim Welsfischen voranbringen und unterstützen. Dabei liegt mir auch daran Altbewährtes bei zu behalten, es zu verfeinern oder zu optimieren, um den größtmöglichen Vorteil aus einem Produkt für die Nutzung am Wasser zu erhalten. Warum? Aus Liebe zum Detail und Spaß an meinem Hobby und Job! Hier möchte ich nun einige Kniffe, Ansichtsweisen und Erkenntnisse vorstellen, die mich in den letzten Jahren weitergebracht und inspiriert haben. Vieles davon beruht auf meiner langjährigen Erfahrung als Guide, einem Gespür für die sich ändernden Fressgewohnheiten sowie dem Instinktverhalten der Welse. Das mache ich mir zunutze und versuche einfach mit neuartigen Vorgehensweisen produktiver zu bleiben. Wichtig ist im Enddefekt aber, dass man kreativ und offen für Neuerungen bleibt. Das unser Zielfisch dem immer größer werdenden Befischungsdruck ausgesetzt ist, geht an den Jahresfangstatistiken nicht spurlos vorüber. Noch vor einigen Jahren war das Pellet- fischen salonfähig, und Tagesfänge weit über 50 Stück nicht ungewöhnlich. Jetzt sind diese Massenfänge Geschichte, da die Welse sich unbestritten darauf eingestellt haben. Damals knotete man noch bis zu 20 Pellets an einem 6/0 Einzelhaken ans Haar, und die Bisse waren sicher. Jetzt sind es nur mehr zwei bis vier Pellets bei einer Hakengröße 2/0 bis maximal 4/0. Der kleine Unterschied binnen eines Jahrzehnts, in dem starker Befischungsdruck herrschte, macht es deutlich: man muss mit Hakengrößen und üppiger Pellet Bestückung runterfahren und so fein wie möglich werden, um noch Erfolg zu haben.
Ein weiteres Beispiel ist die Boje. In vielen heutigen Gewässern ist sie verpönt und unproduktiv, im Gegensatz zu früher, als diese Montage noch aktuell war. Vor Jahren an deutschen Baggerseen noch superproduktiv, avancierte sie, parallel zu dem hohen Befischungsdruck, zur harten Nuss, die der Wels mit Gefahr in Verbindung bringt.
Ähnliche Verhältnisse finden wir beim Spinfischen am Cinca und Segre. Nur zur richtigen Zeit, mit den richtigen Ködern und unter vollem Einsatz sind noch Massenfänge wie vor sieben oder acht Jahren möglich. Fünf bis Sechs Fische waren damals bei einer unserer Kanutouren von Urlaub nach Maß-Standard. Heutzutage läuft nichts mehr ohne den tiefen Griff in die Ködertrickkiste und langatmige Ausdauer. Dennoch sehr reizvoll, weil man keine andere Wahl hat als zu testen, um erfolgreich zu bleiben. Diese Liste könnte man noch lange weiter führen, um das Instinktverhalten und die Reaktionen auf Köder und diverse Präsentationen des Waller zu dokumentieren. Viele Dinge, die sich aber immer noch um die geheimnisvollen Riesen ranken, werden wohl nie zu 100% nachvollziehbar sein. Weiter werden wir nach Gründen und Vorgehensmustern der Welse forschen, die unsere Statistiken nicht wieder geben können. Also, langweilig wird es uns auf den Spuren des Wallers und seiner ständig wechselnden Verhaltensmuster nicht werden.
Im Folgenden möchte ich einmal vorstellen, wie ich mir, allein durch die Umstellung der Montagenpräsentation einen Vorteil verschaffen und eine verbesserte Fangausbeute erzielen konnte.
Spannen gegen die Strömung
Beim Abspannen gegen eine starke Strömung liegt das Detail in den beiden Reißleinen. Richtig gelesen: Reißleinen. Wer kennt das nicht? Man spannt gegen die Strömung und bekommt einen Wels an den Haken, der uns mit der Strömung entgegen kommt. Nun kann es ewig dauern, bis man Kontakt aufnehmen kann, geschweige denn schnell an der Rute ist, um den Anschlag zu setzten. Da vergeht wertvolle Zeit, in der der Waller in vielen Fällen die Oberhand behält, und einige Flussmeter ziehen ins Land, bevor wir den ersten direkten Fischkontakt verzeichnen können. Die Gegenmaßnahmen in Form einer Schüttelhaltung des Wallers sind uns bekannt. Deshalb verwende ich beim Spannen gegen die Strömung zwei Reißleinen, um erstens Zeit zu gewinnen und zweitens sicher zu stellen, dass der Haken durch den zweiten Widerstand besser sitzt, bevor der Anschlag kommt. Durch diese Technik konnte ich die Fischausbeute enorm steigern.
Die zweite Reißleine, die locker durchhängt, ist etwa 20 Zentimeter länger als die, die die tragende Rolle spielt. Die durchhängende Monofile Reißleine ist in der Regel 0,10 mm bis 0,15 mm dicker als die tragende Reißleine, aber nie stärker als 0,50 mm. Beim Abspannen über 150 Meter sollte man berücksichtigen, dass die Dehnung einer über fünf Meter langen und 0,50 mm dicken Reißleine Probleme beim Anschlag verursachen kann. Darum verwende ich bei einer Reißleine über fünf Meter immer einen FMS-Ausleger und benutze ihn mit demselben Prinzip. Übrigens, er ist ein nicht mehr wegzudenkendes Utensil und mein ständiger Begleiter beim Abspannen über längere Strecken.
Stöckchenmontage
Meine Stöckchen-Montage fische ich seit über sechs Jahren, um in erster Linie so unauffällig wie möglich und, vor allem, so natürlich wie möglich den Köder zu präsentieren. Ich bin der Meinung, dass Großwelse, die schon das ein oder andere mal auf eine Schwimmer- Montage herein fielen, mit der Zeit sehr argwöhnisch und sensibel gegenüber Schwimmkörpern über ihrem Futter reagieren. Mit den Jahren wurde das Abspannen mit Schwimmern an stark befischten Gewässern und Streckenabschnitten immer zäher. Deshalb versuche ich, wenn es möglich ist und die Umstände es erlauben, nur noch die Stöckchenmontage anzuwenden.
Ich konnte schon einige Fische über zweieinhalb Meter mit der Stöckchenmontage überlisten, und bin daher überzeugt, dass sie in der Praxis hervorragend funktioniert. Anhand eines Beispiels werde ich nun diese Montage erläutern. Die Reißleine bringe ich in diesem Beispiel zur besseren Verdeutlichung ein Meter über dem Wasserspiegel an einem Hindernis an.
Man benötigt nun so viel Reißleine, bis man über dem gewünschten Spot, der in diesem Fall drei Meter tief ist und sich, wie auf dem Bild 1, an der Mischwasserkante befindet, angelangt ist. Da ich meinen Köder einen Meter über Grund anbieten möchte und meine Wassertiefe drei Meter beträgt, befestige ich mein Stopper-Stöckchen nach zirka drei Meter auf der Hauptschnur (die Länge des Vorfachs mit einberechnet) und spanne die Rute am anderen Ufer so ab, dass meine Reißleine fast waagerecht vom Hindernis bis zum Stöckchen (über dem Spot) gespannt ist. Bei eingestellter drei Meter Tiefe sollte nun der Köder ein Meter über Grund schweben.
Der Vorteil einer höher angebrachten Reißleine zeigt sich beim Kontrollieren der Montage vom Boot oder Kanu aus und ist ideal beim Spannen auf weite Distanzen, um die Hauptschnur aus dem Wasser zu bringen. Der Stopper »Stöckchen« sollte so gewählt werden, dass er beim Anschlag sofort bricht und die Hauptschnur nicht verletzt wird. Hierfür eignen sich dickere Gräser, Schilfhalme etc. Auf Zahnstocher, Knicklichter und Streichhölzer als Stopperstöckchen sollte verzichtet werden, da Schnürbrüche durch abquetschen der Hauptschnur vorprogrammiert wären.
Der Knoten für das Stöckchen ist ein ganz einfacher Laschenknoten oder Halbschlag, der sich nach dem Bruch unseres »Stoppers« wieder aufzieht. Auf Catfish Unlimited 1 ist der Aufbau dieser Montage in Bild und Ton ausführlich erklärt.
Fazit
Natürlich lernt ein Fisch im Laufe seines Lebens auf mehrmalige Wiederfänge zu reagieren. Dabei spreche ich von Fischen, die innerhalb einiger Lebensjahre schon mehrmals am Haken hingen und dies durch zunehmende Scheuchwirkung bei der Nahrungsaufnahme verinnerlicht haben. Durch diesen Lerneffekt ist der Fisch dem Angler immer einen Schritt voraus, und er wird immer schwerer zu überlisten sein, wenn sich nichts an der Präsentation ändert. Um nun solche scheuen Tiere an den Haken zu bekommen sollte man immer gewillt sein, flexibel und ideenreich zu testen, sodass man mit dem lernfähigen Waller in bestimmten Situationen wieder annähernd gleich ziehen kann und fischreiche Sessions beibehalten werden. Wie lange man als Angler durch veränderte Präsentationen den Vorteil behält, wird man wohl später einmal den Zahlen der grauen Statistik entnehmen können.
Catsillu














Es war mal wieder eine Vollguidingtour mit Taffi von Urlaub nach Mass gebucht und dieses Mal sollten es zwei Wochen sein. Der Termin war sorgfältig ausgewählt worden und die ganz große Hitze war um diese Zeit für gewöhnlich schon vorbei. Taffi freute sich auf diese Tour mindestens so sehr wie wir. 


